"Fine-Tuning" - Kontrollstrategien optimieren

Zu Beginn eines Veränderungsprozesses kommt es häufig vor, dass die Kontrollstrategien noch nicht optimal funktionieren, sprich: Man kifft doch wieder mehr als beabsichtigt. Das ist völlig normal und kein Grund, die Veränderung seiner Konsumgewohnheiten als gescheitert zu betrachten. Die Erkenntnis, das Kiffen noch nicht im Griff zu haben, kann vielmehr als Gelegenheit genutzt werden, neue Erfahrungen zu sammeln, um bei der nächsten Versuchung widerstandsfähiger zu sein. Die Voraussetzung dafür ist ein aktiver Umgang mit dem Erlebnis und die Bereitschaft, neue Kontrollstrategien zu entwickeln.

Dazu zählt zunächst eine genaue Situationsanalyse, in der du alle Umstände überdenkst, die mit dem letzten Konsum verbundenen waren:

  • Welche Gefühle oder Gedanken haben deine Entscheidung, wieder zu kiffen, ausgelöst?
  • Welche Umstände (Ort, Ereignis) und Begleiterscheinungen waren beteiligt, als du wieder gekifft hast?
  • Was denkst du war der Hauptgrund, der dazu geführt hat, wieder zu kiffen?

Durch diese Analyse wird die Liste deiner persönlichen Risikosituationen erweitert und präzisiert. Betrachte es als eine Art "Fine-Tuning", bei dem du Stück für Stück immer besser im Umgang mit derartigen Situationen wirst.

Manche denken vielleicht resigniert: "Es hat keinen Zweck, ich schaffe es nicht" oder betrachten das Kiffen als ihre feste Persönlichkeitseigenschaft: "Ich bin halt ein Kiffer." Dies sind verständliche Reaktionen, aber sie bringen dich nicht weiter. Ein Veränderungsprozess ist kein leichtes Unterfangen, sondern ein Prozess, in dem du nur Schritt für Schritt mehr Kontrolle über dein Konsumverhalten erlangen wirst. Zusätzlich zur Situationsanalyse ist es wichtig, sich sein Vorhaben nochmals zu vergegenwärtigen:

  • Erinnere dich an dein persönliches Ziel. Ist es vielleicht zu vage? Überlege dir konkrete Teilziele. Wenn du beispielsweise vorhast, deinen Konsum dauerhaft zu reduzieren, könntest du dir einen Plan über mehrere Wochen machen, in dem du eine stufenweise Reduktion anpeilst.
  • Rekapituliere, was dir in der Vergangenheit geholfen hat, zu widerstehen oder dich erfolgreich vom Kiffen ablenken konnte.
  • Denke darüber nach, was dir das nächste Mal, wenn du in so einer Situation bist, helfen könnte.

Erfahrungsgemäß wird etwa nach drei bis vier Wochen, wenn dein Vorhaben gelungen ist, die Abstinenz oder das Wenigerkiffen langsam zur Normalität. Diese Zeit der Umstellung birgt aber immer noch Gefahren. Du könntest dich überschätzen und dich zu früh wieder Risikosituationen aussetzen. Bleibe also weiterhin wachsam.

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Userbericht

Mücke

22 Jahre

weiblich

Nicht denken, mit Gras wäre alles schöner…
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